Grenzfrequenz von Filterschaltungen
Die Grenzfrequenz fg ist der zentrale Kennwert jedes Filters erster Ordnung. Sie trennt den Durchlass- vom Sperrbereich und markiert den -3 dB-Punkt.
Was ist die Grenzfrequenz?
Die Grenzfrequenz fg ist jene Frequenz, bei der die Ausgangsspannung auf ca. 70,7 % (genauer: \(\frac{1}{\sqrt{2}}\)) der Eingangsspannung absinkt. In der Nachrichtentechnik spricht man vom -3 dB-Punkt.
- Bei fg fällt die Spannung auf \(\frac{1}{\sqrt{2}} \approx 0{,}707\) des Maximalwerts.
- Das entspricht dem -3 dB-Punkt im Amplitudengang.
- In Bezug auf die Leistung wird am Ausgang nur noch die Hälfte (\(\frac{1}{2}\)) abgegeben.
Der Amplitudengang des RC-Tiefpasses lautet:
An der Grenzfrequenz gilt per Definition \(|\underline{F}(j\omega_g)| = \frac{1}{\sqrt{2}}\). Wir setzen ein:
Der Amplitudengang des CR-Hochpasses lautet:
An der Grenzfrequenz gilt wieder \(|\underline{F}(j\omega_g)| = \frac{1}{\sqrt{2}}\):
Dieselbe Grenzfrequenz wie beim RC-Tiefpass — nur die Filterwirkung (Durchlass/Sperre) ist umgekehrt.
Der Amplitudengang des LR-Tiefpasses lautet:
Die Herleitung erfolgt analog: \(|\underline{F}(j\omega_g)| = \frac{1}{\sqrt{2}}\) einsetzen, quadrieren und umstellen ergibt:
Der Amplitudengang des RL-Hochpasses lautet:
Die Herleitung erfolgt analog zum CR-Hochpass:
Auch hier: dieselbe Grenzfrequenz wie beim LR-Tiefpass — nur die Filterwirkung ist umgekehrt.
Warum genau bei dieser Frequenz?
An der Grenzfrequenz sind die Betraege von Wirkwiderstand und Blindwiderstand gleich groß:
Genau dann bilden R und X einen gleichschenkligen Spannungsteiler. Die Ausgangsspannung beträgt \(\frac{1}{\sqrt{2}}\) der Eingangsspannung, was dem -3 dB-Punkt entspricht.
Tiefpass
| Frequenzbereich | Verhalten |
|---|---|
| f < fg | 0 dB (Durchlassbereich) |
| f = fg | -3 dB (Grenzfrequenz) |
| f > fg | -20 dB/Dekade (Sperrbereich) |
Hochpass
| Frequenzbereich | Verhalten |
|---|---|
| f < fg | +20 dB/Dekade (Sperrbereich) |
| f = fg | -3 dB (Grenzfrequenz) |
| f > fg | 0 dB (Durchlassbereich) |
Diese Werte gelten für Filter erster Ordnung. Filter höherer Ordnung haben steilere Flanken (z. B. -40 dB/Dekade bei 2. Ordnung).